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Marionnetje

Filme
Apr. 14 '14

Meine Filme 2014

Von meinen insgesamt 9 Filmen waren 5 sehenswert, 3 diskussionswert und 1 annehmbar.

Apr. 14 '14

9. American Hustle (Komödie, USA 2013, R: David O. Russell, D: Christian Bale, Bradley Cooper, 138 Min.), Cinemaxx 11, Freitag, 11.04.2014

Da der Film schon seit der Berlinale läuft, haben wir uns nach unserem Abendessen in der Pizzahütte und im Eiscafé dafür entschieden, bevor er aus den Lichtspieltheatern verschwindet. Anno 1978 ist der Trickbetrüger Irving Rosenfeld mit seiner Geliebten Sydney Prosser alias Lady Edith Greensley gut im Geschäft. Sie betätigen sich auf dem Gebiet des Kreditbetrugs, indem sie ihren klammen Opfern gegen eine großzügige Gebühr hohe Geldbeträge versprechen – ein Versprechen, das natürlich nie eingelöst wird! Als sie in die Fänge des FBI-Agenten Richie DiMaso geraten, werden sie zur Mitarbeit gezwungen, um den angeblich korrupten Bürgermeister von New Jersey, Carmine Polito (Jeremy Renner), zur Strecke zu bringen. Mit einem FBI-Agenten in der Rolle eines investitionsbereiten Scheichs (Michael Pena) soll Polito in die Falle gelockt werden. Rosenfeld und Prosser scheinen sich in ihr Schicksal zu fügen und spielen mit. Allerdings trügt der Schein, und sowieso kommt alles anders, als man denkt.

Die Figuren und ihre dazugehörigen Schauspieler sind einfach großartig. Ebenfalls erwähnenswert sind die Kostüme im Look der späten Siebziger sowie das Make-up mit blauem Lidschatten und rotglossigen Lippen. Christian Bales Irving Rosenfeld ist eine Augenweide im negativen Sinne mit seiner Plauze, die sich unter dem gestreiften Hemd wölbt. Sein Toupet klebt er auf dem Kopf fest, bevor er die Resthaare darüber kämmt und das Ganze mit viel Haarspray fixiert. Dazu passt sein waidwunder Blick, der seine Verschlagenheit maskiert. Bravo, dass Christian Bale Mut zur Hässlichkeit beweist! Amy Adams als Trickbetrügerin Sydney Prosser alias Lady Edith Greensley überzeugt chamäleongleich in jeder Rolle. Dabei wirkt sie trotz der roten Wallemähne und des bauchnabeltiefen Dekolletés zart und verletzlich, aber wir wissen ja, dass der Schein trügt! Jennifer Lawrence zeigt als Irving Rosenfelds Schlampe von Ehefrau Rosalyn wieder einmal ihr großes Talent. Besonders gut gefallen hat mir Bradley Cooper als FBI-Agent Richie DiMaso, der sich für den tollsten Hecht im Karpfenteich hält. Allerdings wohnt er noch im Hotel Mama und dreht die Haare mühevoll auf Dutzende von kleinen Lockenwicklern, um den Minipli-Look zu erhalten.

Überhaupt sind die Frisuren bemerkenswert, denn am Ende der 70er Jahre geht ohne Lockenwickler gar nichts: Ob gewellt, gelockt oder toupiert, das Haar sitzt festbetoniert bei Regen, Wind und Sonne, wie uns die berühmte Werbung für das Drei-Wetter-Haarspray seinerzeit suggerierte. Zu schade, dass zwischen den zahlreichen guten Szenen immer wieder gähnende Langeweile herrscht. An der Überlänge leiden auch eigentlich gute Filme wie The Wolf of Wall Street und 12 Years a Slave. Insgesamt lebt dieser Film von seiner Atmosphäre - inklusive Musik von den Bee Gees, Donna Summer, David Bowie, ELO, Elton John, um nur einige zu nennen - die die Spätsiebziger aufleben und uns vor Nostalgie aufseufzen lässt. Diskussionswert.

Apr. 8 '14

8. Her (Science-Fiction, USA 2013, R: Spike Jonze, D: Joaquin Phoenix, Amy Adams, 126 Min.), Cinestar 4, Freitag, 04.04.2014

Künstliche Intelligenz wird unser Leben völlig umkrempeln. Sind denkende und lernende Computer Fluch oder Segen für die Menschheit? Haushaltsgeräte, die in der Wohnung das Zepter übernehmen, wären der reinste Horror. Dann scheuchen sie uns um sieben Uhr abends ins Bett, damit sie sich in Ruhe an den Steckdosen mit Strom vollsaugen können. Jedenfalls werden uns Computer dank künstlicher Intelligenz immer ähnlicher, sodass sich die Frage stellt, ob es zwischen Mensch und Maschine sogar funken könnte.

Warum auch nicht, wenn ein Betriebssystem eine so tolle Stimme hat wie Samantha (Scarlett Johansson). Der unter der Trennung von seiner Frau (Rooney Mara) leidende Theodore (Joaquin Phoenix) ist hellauf begeistert von seinem neuen intelligenten Betriebssystem, das angeregt mit ihm plaudert. Es kommt, wie es kommen muss: Theodore und Samantha verlieben sich ineinander. Ist es ein Problem, dass sie keinen Körper hat? Das werden wir nie erfahren, denn der Honigmond hält nicht lange an. Samantha hat sich inzwischen so sehr weiterentwickelt, dass sie mit anderen Betriebssystemen ins Nirwana entschwindet. Den armen Theodore lässt sie mit gebrochenem Herzen zurück.

Schade, dass der Film das Risiko scheut, dem Verhältnis zwischen Mensch und Maschine richtig auf den Zahn zu fühlen. So endet Her mit dem lauen Fazit, dass Computer auch nicht die besseren Menschen sind. Also bleiben wir lieber beim Altbewährten. Zum Glück steht die patente Nachbarin (Amy Adams) bereit, um Theodore beizustehen. Immerhin können wir Menschen allein schon aus Termingründen unsere Partner nicht gleichzeitig mit 641 anderen betrügen, wie es das amourös umtriebige Betriebssystem Samantha anstellt.

Nach unserem üppigen Abendessen in der Pizzahütte und im Eiscafé waren wir etwas schläfrig. Diesem Zustand konnte der spannungsarme Film leider nicht abhelfen. 90 Minuten hätten voll und ganz ausgereicht, um diese Geschichte zu erzählen. Bei über zwei Stunden kam ziemlich viel Langeweile auf. Damit bleibt Her hinter Klassikern zum Thema wie Metropolis (1927), Blade Runner (1982) und dem weniger bekannten Colossus (1970) meilenweit zurück.

Immerhin wird eine interessante Vision der Welt von morgen entworfen, die sich an die Gegenwart anlehnt, aber dennoch anders ist: Das Leben verläuft in ruhigen, friedlichen und komfortablen Bahnen. Man bemerkt in den sauberen Straßen weder Anzeichen von Armut noch Kriminalität. Nicht mal ein lautes Wort ist zu hören. Sanfte Rottöne erfreuen das Auge, auch in der Mode, die sich hemmungslos bequem präsentiert. Man geht freundlich distanziert miteinander um, wenn man nicht gerade mit seinem Smartphone beschäftigt ist. Schöne neue Welt? Annehmbar.

März 15 '14

7. Non-Stop (Action-Thriller, USA 2014, R: Jaume Collet-Serra, D: Liam Neeson, Julianne Moore, 106 Min.), Cinemaxx 3, Freitag, 14.03.2014

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“, sang einst Reinhard Mey. Tja, diese Unbeschwertheit ist seit dem 11. September 2001 Geschichte. Seitdem sitzen sogenannte Air Marshals mit im Flugzeug, die für die Sicherheit von Passagieren und Besatzung sorgen. Bill Marks (Liam Neeson) ist einer von ihnen, der sich auf diesem nächtlichen Transatlantikflug von New York nach London ruhige Stunden in der ersten Klasse verspricht. Neben ihm sitzt eine sympathische, auf den Fensterplatz erpichte Rothaarige (Julianne Moore), die ihm gut gefällt.

Kaum ist die Maschine in der Luft, erhält Marks Textnachrichten mit beunruhigendem Inhalt: Der anonyme Sender verlangt 150 Millionen Dollar oder alle 20 Minuten stirbt ein Passagier. Das Geld soll auf ein Konto ausgerechnet in Marks’ Namen überwiesen werden. Natürlich glaubt die Flugsicherung nun, dass der Air Marshal hinter der Erpressung steckt. Um seine Unschuld zu beweisen, macht dieser sich auf die Suche nach dem Übeltäter, der sich unter den 150 Menschen an Bord befinden muss. Unterwegs aussteigen kann ja keiner. Wer mit seinem Telefon hantiert, ist verdächtig!

Nachdem bereits drei Personen dran glauben mussten und auch noch klar wird, dass eine Bombe detonieren wird, lässt sich der Ernst der Lage vor den Fluggästen nicht mehr verbergen. Unruhe macht sich breit, die sogar in Panik umzuschlagen droht. Erst als Marks den Leuten Freiflüge verspricht, kehrt endlich Ruhe ein. Die Aussicht auf Freibier wirkt halt immer. Ein nervenaufreibender Wettlauf mit der Zeit beginnt, um den Bösewicht dingfest zu machen, die Bombe zu entschärfen und zu guter Letzt sicher zu landen.

Einige Rührseligkeiten und Klischees wie die privaten Probleme des Air Marshals aufgrund des tragischen Todes seiner Tochter bleiben uns nicht erspart, die positiven Seiten wie Spannung und Humor überwiegen allerdings. Dass der tip nur ein Uninteressant vergeben hat, kann ich nicht nachvollziehen. Ich fand den Film sehr kurzweilig und habe die ganze Zeit gerätselt, wer wohl der Bösewicht ist. Merke: Brillenträger sollte man immer im Auge behalten, denn wegen ihrer mangelnden Sehschärfe wirken sie so unbedarft. Dabei haben sie es faustdick hinter den Ohren, insbesondere, wenn sie die Brille abnehmen. Unbebrillt kommt das Böse in uns zum Vorschein. Sehenswert.

März 9 '14

6. The Grand Budapest Hotel (Komödie, GB/Deutschland 2014, R: Wes Anderson, D: Ralph Fiennes, Toni Revolori, 100 Min.), Cinemaxx 3, Freitag, 07.03.2014

Der Eröffnungsfilm der Berlinale ist zu unserem Entzücken postwendend in den Lichtspieltheatern gestartet. Wes Anderson ist ja bekannt für seine fantasievollen Geschichten. Hier werden wir über mehrere Ebenen in längst vergangene Zeiten entführt. Es beginnt im Jahre 1985, als eine junge Frau das Buch „The Grand Budapest Hotel“ liest. Darin beschreibt der Autor seinen Besuch in dem etwas heruntergekommenen Hotel anno 1968, das nur noch von wenigen alleinstehenden Gästen frequentiert wird. Dort lernt der junge Autor (Jude Law) den Eigentümer Zéro Moustafa (F. Murray Abraham) kennen, der ihm seine Geschichte erzählt. Im Jahre 1932 arbeitete Zéro (Toni Revolori) als Lobby Boy im Grand Budapest Hotel in der fiktiven Republik Zubrowka, die man unschwer als Ungarn in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen identifizieren kann. Die Faschisten stehen schon vor der Tür.

Völlig unbeeindruckt von der politischen Lage versieht der Concierge Monsieur Gustave, der von Ralph Fiennes ganz wunderbar verkörpert wird, seinen Dienst. Er ist Herz und Seele des Hauses, zugleich ist er ein Unikum, das die glanzvollen alten Zeiten repräsentiert: Er parfümiert sich großzügig mit Eau de Panache und nimmt auf Reisen seine eigenen Sektpullen mit, um nicht die Katzenpisse aus dem Speisewagen trinken zu müssen. Zudem führt er ein strenges Regiment einschließlich allabendlicher Predigten vor dem Personal, und nicht zuletzt kümmert er sich rührend um betagte weibliche Hotelgäste wie die steinreiche 84jährige Madame D. (nach Snowpiercer in einer weiteren skurrilen Rolle: Tilda Swinton), die er auch im Schlafzimmer bedient. Trotz all seiner Marotten ist M. Gustave im Grunde ein guter Mensch, den man nach anfänglicher Skepsis ins Herz schließt.

Nachdem Madame D. unter ungeklärten Umständen verstorben ist, kriecht die zahlreiche Verwandtschaft in Erwartung des Erbes aus dem Unterholz, darunter ihr Sohn Dmitri (großartig: Adrien Brody) und der Psychopath J.G. Jopling (ebenfalls großartig: Willem Dafoe). Als ausgerechnet M. Gustave das wertvolle Gemälde „Jüngling mit Apfel“ erbt, bezichtigen die erbosten Verwandten den Concierge des Mordes an der alten Dame. M. Gustave wird verhaftet, flieht kurz darauf mit Hilfe Zéros aus dem Knast und versucht, seine Unschuld zu beweisen, indem er sich mit seinem treuen Lobby Boy auf die Spur des Mörders begibt.

Das Staraufgebot ist beeindruckend: Neben Ralph Fiennes sehen wir in großen und kleinen Rollen Tom Wilkinson, Jude Law, F. Murray Abraham, Tilda Swinton, Jeff Goldblum, Adrien Brody, Mathieu Amalric, Léa Seydoux, Willem Dafoe, Edward Norton, Saoirse Ronan, Owen Wilson, Harvey Keitel, Bill Murray, Jason Schwartzman sowie George Clooney in einer Minirolle als bewaffneter Hotelgast.

Das bonbonfarbene Ambiente des Grand Budapest und auch die anderen Schauplätze wurden mit großer Liebe zum Detail ausgestattet. Oft möchte man länger bei einer Szene verweilen, um sich alles genau anzusehen, aber keine Atempause wird gemacht. Es geht voran, und zwar zügig. Durch das Tempo in Verbindung mit vielen lustigen Szenen kommt keine Langeweile auf. Schade, dass der Film nach 100 Minuten schon vorbei war, denn ich wäre gern noch in Wes Andersons skurriler kleiner Welt geblieben.

Nach langer Zeit haben wir endlich mal wieder in unserer geliebten Pizzahütte diniert mit anschließendem Eisbecher de luxe im Caffè e Gelato in den Arkaden. Dieser tolle Film hat einen Silbernen Bären ergattert. Sehenswert.

März 6 '14

Abschlusskommentar zu den 64. Internationalen Filmfestspielen Berlin vom 06.-16.02.2014

Insgesamt bin ich mit meiner Ausbeute zufrieden. Die Retrospektive hat mir wieder gut gefallen, sie hat sich in den letzten Jahren zum stillen Highlight entwickelt, inzwischen auch mit eigenem Begleitheft. Eine Gurke wie Tape_13 aus der Perspektive Deutsches Kino ist mir dank Signor G. erspart geblieben. Meine 12 anstatt der vorjährigen 22 Sitzungen im FSP waren einigermaßen rücken- und podexfreundlich. Durch den erleichterten Kartenkauf kommt man doch immer wieder auf den FSP zurück. Idealerweise werde ich in Zukunft meine Sitzungen zur Mittagszeit beginnen, denn Ausschlafen ist bekömmlich für Leib und Seele.

Von meinen 25 Filmen waren 3 herausragend, 1 sehenswert mit Sternchen, 6 sehenswert, 5 diskussionswert, 4 annehmbar, 3 zwiespältig, 2 uninteressant und 1 ärgerlich.

Meine Highlights waren der Montag mit drei Filmen zum Thema Liebe und vor allem Sünde sowie der letzte Tag der Berlinale mit vier wunderbaren Filmen.

Kinostarts meiner Filme: Nymphomaniac Vol 1: 20.02., Kreuzweg: 20.03., Zwischen Welten: 27.03., Seolguk-yeolcha/Snowpiercer: 03.04., Yves Saint Laurent: 17.04., Kraftidioten, La tercera orilla, Bai Ri Yan Huo/Black Coal, Thin Ice: noch ohne Starttermin

Die allgegenwärtige Schlange ist das Schlagwort der 64. Berlinale. Am ersten Verkaufstag stand ich geschlagene dreieinhalb Stunden an, und zwar in einer äußerst trägen Schlange, die sich in den Arkaden über zwei Sitzgruppen hinweg bis über den Devotionalienstand hinaus ringelte. Merke fürs nächste Jahr: Nur da anstellen, wo sich was bewegt. Auch vor den Kinosälen gab es Schlangen, von den Damentoiletten ganz zu schweigen. Die Leute strömen halt immer früher in die Lichtspieltheater, sodass man selbst bei frühzeitigem Erscheinen sich oft nur noch in den Schlangenkringel einreihen konnte.

Eigentlich sollten Geburtstage während der Berlinale verboten werden. Allerdings hat der Brunch plus Kinogang mit dem Geburtstagskind auch großen Spaß gemacht.

Immer wieder lustig sind die Hustenkonzerte in die Stille des Saals hinein, wenn das Licht ausgeht und bevor der Berlinale-Trailer einsetzt. Es ist halt Erkältungszeit, Gottseidank gehörte ich dieses Jahr mal zu den Gesunden!

Der Winter ist dieses Jahr ausgefallen. Kein Frieren auf den Wegen zwischen den Kinos, auch das Ausrutschen auf den infamen Metallplatten des Sony-Centers blieb uns erspart.

Schicke Beuteltiere sind wir nun schon das dritte Jahr in Folge. Statt einer Umhängetasche gab es einen hellgrauen Beutel mit wahlweise blauem oder rotem Logo zum Verstauen von Handschuhen, Schal, Programm, Proviant und Tischgrill. Da er zudem gefüttert und standfest ist, sinkt er beim Hinstellen nicht seufzend in sich zusammen wie seine beiden Vorgänger.

März 6 '14

Mein 25. Berlinale-Film: Yves Saint Laurent, Frankreich, R: Jalil Lespert, D: Pierre Niney, Guillaume Gallienne, 110 Min., Panorama, Sonntag, 16.02.2014, Zoo Palast 1, 21.30 Uhr, Französisch

Letzter Film der Berlinale! Zum Abschluss war ich im wunderschön renovierten Saal 1 des Zoo Palasts. In der ersten Reihe gibt es jeweils links und rechts ganz außen einen einzeln montierten Sitz, sodass man ohne Sitznachbarn ganz für sich ist. Auf genau so einen Sessel hatte ich es abgesehen, daher hastete ich beim Einlass sofort hin. Kaum zu glauben, aber wahr: Links war er schon besetzt, aber rechts außen kam ich in den Genuss meines Einzelplatzes.

Der Film beschäftigt sich mit den 20 wichtigsten Jahren aus dem Leben des 1936 in Algerien geborenen und 2008 im 72. Lebensjahr verstorbenen Modeschöpfers. Yves Saint Laurent arbeitete bereits als Assistent von Christian Dior in Paris, als er nach dem Tode des Meisters die künstlerische Leitung des Modehauses Dior übernahm. Da war er zarte 21 Jahre alt. Fünf Jahre später eröffnete er sein eigenes Modehaus, zusammen mit seinem Partner und Lebensgefährten Pierre Bergé. Einen Künstlernamen brauchte er nicht, denn ein Name wie YSL ist bereits Programm! Pierre Bergé und YSL trennten sich zwar 1976, blieben aber geschäftlich weiterhin verbunden.

Alkohol, Drogen, Depressionen – der fragile und hochsensible YSL hat in dieser Hinsicht nichts ausgelassen. Der Druck, der auf ihm lastete, war enorm: Vier Kollektionen pro Jahr waren fertigzustellen, zweimal Haute Couture und zweimal Prêt-à-porter, jeweils für den Frühling und den Herbst. Kein Wunder, dass YSL so hypernervös war. Bei einer derart hohen Arbeitsbelastung stellt sich die Frage, ob solch ein Leben überhaupt erstrebenswert ist. Seinen Ruhm hat sich Yves Saint Laurent jedenfalls hart erarbeitet. Der Durchbruch gelang ihm 1967 mit Le Smoking, dem Hosenanzug für Frauen. Damit war er im Mode-Olymp angekommen.

Der Film hat mir sehr gut gefallen, da Pierre Niney den zartgliedrigen und schüchternen Modezaren ganz wunderbar verkörpert, sodass man für knapp zwei Stunden in die Modewelt vergangener Jahrzehnte eintaucht. Was für ein gelungener Abschluss der 64. Berlinale! Sehenswert.

März 5 '14

Mein 24. Berlinale-Film: ‘71, Großbritannien, R: Yann Demange, D: Jack O’Connell, Sean Harris, 98 Min., Wettbewerb, Sonntag, 16.02.2014, Berlinale-Palast, 18.00 Uhr, Englisch

Auf diesen Film zum Nordirlandkonflikt war ich schon die ganze Woche gespannt, das Beste habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben. Da ich die Karte bereits am ersten Verkaufstag gekauft hatte, kamen wir in den Genuss von front row seats. Es gab übrigens keine Taschenkontrolle im Berlinale-Palast. Vor zwei Jahren wurde beim Einlass noch heftig nach Esswaren gefahndet.

Der Konflikt brach 1969 aus, daraufhin wurden britische Truppen zur Wiederherstellung von Recht und Ordnung in Nordirland stationiert. Schnell gerieten sie zwischen die Fronten und bekamen den Hass der katholischen Bevölkerung zu spüren. Obwohl der Konflikt mit dem Karfreitagsabkommen von 1998 beigelegt wurde, sind die britischen Truppen erst 2007 nach 38 Jahren abgerückt.

Meine Güte, die Bevölkerung war ja ganz schön auf Krawall gebürstet, das Bewerfen der Soldaten mit Urin gefüllten Beuteln gehörte noch zu den harmlosen Aktionen. Auffallend ist auch das ärmliche Stadtbild von Belfast, in Straßen und Hausfassaden wurde hier schon lange nicht mehr investiert. Zudem haben die Straßenschlachten inklusive Zerstörungen natürlich nichts zur Schönheit von Béal Feirste, übersetzt “Mündung an der Sandbank”, beigetragen.

Im titelgebenden Jahr 1971 wird der junge britische Soldat Gary Hook über die Irische See nach Belfast verschifft. Der Weckruf am nächsten Morgen ist noch heiter: „Hands off cocks, pull on socks!“ Dann beginnt sein Abstieg in die Hölle des Nordirlandkonflikts. Gleich bei seinem allerersten Einsatz wird er von seiner Einheit getrennt, als der katholische Mob auf die Soldaten losgeht. Nun ist Gary ganz auf sich allein gestellt, er muss auf fremdem und feindlich gesinntem Territorium überleben und den Weg zurück in den Schutz der Kaserne finden.

Er trifft auf Leute, die ihm an den Kragen wollen, aber es gibt auch Menschen, die ihm helfen, sogar Katholiken. Nachdem er zufällig unlautere Machenschaften einer britischen Spezialeinheit, also seiner eigenen Leute, mitbekommen hat, ist sein Leben keinen Pfifferling mehr wert. Es kommt zum Showdown in den Divis Flats, einer inzwischen abgerissenen Hochhaussiedlung, damals sozialer Brennpunkt und IRA-Hochburg zugleich. Dagegen ist das Märkische Viertel Luxus pur. Bei diesem packenden Actiondrama sitzt man bis zum Schluss gebannt im Kinosessel. Lobende Erwähnung der Ökumenischen Jury. Sehenswert.

März 5 '14

Mein 23. Berlinale-Film: The Naked City, USA 1948, R: Jules Dassin, D: Barry Fitzgerald, Howard Duff, 96 Min., Retrospektive, Sonntag, 16.02.2014, Cinemaxx 8, 15.00 Uhr, Englisch

Um mir die Zeit bis zu meiner Sitzung am Abend zu vertreiben, habe ich spontan ein Ticket für die Anschlussvorstellung im Cinemaxx 8 gelöst. Das habe ich nicht bereut, denn trotz Müdigkeit bin ich bei diesem äußerst kurzweiligen Krimi nicht eingeschlafen.

Eine junge Frau wird in ihrem New Yorker Apartment in New York ermordet aufgefunden. Ist es ein simpler Raubmord oder steckt mehr dahinter? Es stellt sich nämlich heraus, dass die Tote nicht die rechtmäßige Eigentümerin der aus ihrer Wohnung entwendeten Schmuckstücke war.

Das ist ein kniffliger Fall für die beiden mit dem Fall betrauten Polizisten. Der frisch geschiedene Leutnant Muldoon (Barry Fitzgerald), ein alter Hase, der nun in einem Wohnklo mit Kochnische lebt, und Jimmy Halloran (Don Taylor), sein junger Kollege und frischgebackener Familienvater mit Reihenhäuschen, machen sich in diesem heißen New Yorker Sommer auf die mühselige Suche nach der Wahrheit. Die Polizei war übrigens damals noch eine reine Männerdomäne.

Interessant ist, dass neben dem Kriminalfall das Augenmerk auf die Stadt und ihre arbeitende Bevölkerung gerichtet ist. Der Film wurde an Originalschauplätzen gedreht, was ihm Authentizität verleiht. Man sieht, wie die Menschen morgens zur U-Bahn und abends am Ende eines langen Arbeitstages nach Hause strömen, verschwitzt, müde und hungrig. Früher war alles besser? Was die Kunst des Filmemachens anbelangt, gewiss, denn dieser Krimi ist spannend und humorvoll zugleich. Sehenswert.

März 4 '14

Mein 22. Berlinale-Film: The Grapes of Wrath, USA 1940, R: John Ford, D: Henry Fonda, Jane Darwell, 129 Min., Retrospektive, Sonntag, 16.02.2014, Cinemaxx 8, 12.30 Uhr, Englisch

Früher war alles besser? Von wegen! Der dem Film zugrundeliegende gleichnamige Roman von John Steinbeck aus dem Jahre 1939 beschreibt die Realität während der Großen Depression in den 1930er Jahren, als durch Dürrejahre verschuldete Farmer aus Oklahoma und Arkansas von ihrem Land gejagt werden.

So ergeht es auch der Großfamilie Joad, deren ältester Sohn Tom (großartig: Henry Fonda) gerade erst aus dem Gefängnis zurückgekehrt ist. Ihr letztes Geld investieren die Joads in einen klapprigen Lastwagen, mit dem sie von Oklahoma durch mehrere Staaten hindurch auf der Route 66 bis nach Kalifornien fahren. Dort hoffen sie auf Arbeit in den zahlreichen Obstplantagen. Unterwegs sterben die Großeltern an den Strapazen der Reise. Für den Familienzusammenhalt sorgen Tom und seine resolute Mutter.

Das ist ein frühes Roadmovie, aber ohne Romantik oder Selbstverwirklichung. Es ist die blanke Not, die die Menschen auf die lange Reise ohne Wiederkehr treibt. Leider sind die Joads nicht die einzigen, da aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit die Menschen von überall her in das vermeintlich gelobte Land strömen. Man beachte, dass es damals noch Zollkontrollen zwischen den Bundesstaaten gab. Die Arbeitsmigranten sind nirgendwo gern gesehen. Auch in Kalifornien treffen sie nur auf Ablehnung gepaart mit Ausbeutung. Für harte Arbeit auf den Plantagen wird nur ein Hungerlohn gezahlt, wenn überhaupt. Das ist Kapitalismus pur, damals wie heute. Das offene Ende ist verhalten optimistisch, denn trotz aller Widerstände sind die Menschen ungebrochen. Herausragend.

März 4 '14

Mein 21. Berlinale-Film: Highway, Indien, R: Imtiaz Ali, D: Randeep Hooda, Alia Bhatt, 132 Min., Panorama, Sonnabend, 15.02.2014, Cubix 9, 17.00 Uhr, Hindi

Am Vorabend ihrer Hochzeit gerät Veera zufällig in die Hände von Geiselgangstern, während ihr Verlobter nur tatenlos zuschaut. Als die Gangster erfahren, dass sie die Tochter eines der mächtigsten Männer des Landes gekidnappt haben, machen sich alle bis auf einen aus dem Staub. Dieser flieht mit dem Mädchen im Schlepptau.

Es beginnt ein modern anmutendes Roadmovie aus dem faszinierenden Indien. Mit zunehmender Entfernung vom Zuhause blüht Veera geradezu auf. Längst hat sie sich mit ihrem Entführer angefreundet und genießt die Freiheit, die sie nie hatte. Chic sieht sie aus, rustikal oder praktisch, aber immer farbenfroh gewandet. Erstaunlich, dass man auf der Flucht vor der Polizei so viel Zeit zum Einkaufen und Umziehen hat, aber es handelt sich ja um einen Unterhaltungsfilm. Gesungen und getanzt wird auch gern, viva Bollywood!

Es kommt, wie es kommen muss: Veera und ihr Entführer – oder eher ihr Befreier - verlieben sich ineinander. Bevor es zwischen ihnen zum Äußersten kommt, schreitet die Polizei ein und er muss ins Gras beißen. Die Modernität in Indien hat eben doch ihre Grenzen.

Das Vögelchen wird in seinen goldenen Käfig zurückgebracht, aber aus dem albernen Mädchen ist eine selbstbewusste junge Frau geworden, die nun offen ausspricht, was jahrelang unter den Teppich gekehrt wurde: Als Kind wurde sie von ihrem Onkel sexuell missbraucht. Jedenfalls legt Veera ihre Heiratspläne auf Eis und eröffnet stattdessen eine Konservenfabrik. Passierte Tomaten werden schließlich immer gekauft. Diskussionswert.

März 3 '14

Mein 20. Berlinale-Film: Mo Jing/That Demon Within, Hongkong/China, R: Dante Lam, D: Daniel Wu, Nick Cheung, 120 Min., Panorama, Sonnabend, 15.02.2014, Cubix 9, 14.30 Uhr, Kantonesisch

Trotz der lautstarken Effekte bin ich vor Erschöpfung im bequemen Sessel eingeschlafen. Dadurch habe ich leider den roten Faden verloren und auch nicht mehr wiedergefunden.

Dieser Film fußt auf der Tatsache, dass der Polizist Dave dem Gangster Hon Blut spendet. Von nun an sind die beiden miteinander verbunden. Überhaupt gibt es keine klare Trennlinie zwischen Gut und Böse, denn auch Dave trägt schwer an seiner Schuld aus der Kindheit.

Die dunkle Stimme des Hauptdarstellers Daniel Wu passt wunderbar zur düsteren Atmosphäre. Das geheimnisvolle Hongkong eignet sich immer wieder als Schauplatz für solche brutalen Action-Thriller. Mit Feuer wird hier in der Tat nicht gespart. Man kommt sich vor wie in der Hölle, und das ist wohl auch so beabsichtigt. Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit, dass ich mir diesen Film im Kino oder Fernsehen noch einmal ansehen kann. Annehmbar.

März 3 '14

Mein 19. Berlinale-Film: Chiisai Ouchi/The Little House, Japan, R: Yoji Yamada, D: Takako Matsu, Haru Kuroki, 136 Min., Wettbewerb, Sonnabend, 15.02.2014, Friedrichstadt-Palast, 09.00 Uhr, Japanisch

Letzte Sitzung im FSP! Als junges Mädchen bricht Taki aus ihrem Dorf in die Großstadt Tokio auf, um in einem kleinen Haus mit rotem Ziegeldach als Hausmädchen für eine dreiköpfige Familie zu arbeiten. Sofort fühlt sie sich in ihrem neuen Zuhause geborgen. Das Leben geht seinen gewohnten Gang, bis der junge Kollege des Hausherrn oft zu Besuch kommt und die Gefühle ordentlich in Wallung bringt. Davon erfährt Takis Familie erst Jahrzehnte später aus den Memoiren der nun alten Dame.

Wir gehen zurück in die sogenannte Showa-Zeit, was übersetzt Ära des erleuchteten Friedens bedeutet. Allerdings sind die Ereignisse alles andere als friedlich vom Japanisch-Chinesischen Krieg ab 1937 mit dem Massaker von Nanking bis zum Abwurf der Atombomben im August 1945. Im Zentrum des Geschehens steht das Leben der Menschen in dem kleinen Haus. Von den Kriegsereignissen bleibt man hier noch lange Zeit verschont, bis die brutale Realität mit der Rationalisierung von Lebensmitteln, den Bombardierungen und schließlich der Einberufung der Männer auch diese kleine Welt erreicht.

Obwohl der Film fast ausschließlich in dem titelgebenden kleinen Haus spielt, kommt zu keiner Sekunde Langeweile auf. Die Geschichte wird mit viel Herzenswärme und feinem Humor erzählt, sodass man die Figuren richtig lieb gewinnt und sich nach zwei Stunden nur ungern von ihnen trennt. Der Regisseur gehört mit seinen 82 Lenzen zur Altherrenriege. Es freut mich, dass dieser stille und gleichzeitig ergreifende Film einen Preis bekommen hat. Silberner Bär für Haru Kuroki, die sympathische Darstellerin des jungen Hausmädchens Taki. Sehenswert.