1. 56. Omamamia (Komödie, Deutschland 2012, R: Tomy Wiegand, D: Marianne Sägebrecht, Annette Frier, 103 Min.), Cinemaxx 18, Sonnabend, 03.11.2012

    Im Cinemaxx war heute ein Streik angesagt, der sich allerdings auf ein paar Demonstranten vor dem Kino beschränkte. Der Betrieb lief ungestört, zumindest in unserem kleinen Kinosaal, den wir nach einem opulenten Abendessen in der benachbarten Pizzahütte aufgesucht haben. Ja, nach Jahren der Abstinenz gibt es endlich wieder eine reguläre Pizzahütte in Berlin!

    Die aus Bavaria stammende Oma Margarethe (Marianne Sägebrecht) wohnt schon seit über 40 Jahren in ihrem einsam gelegenen Haus in Ontario, Kanada. Seit ihr Mann Alois verstorben ist, lebt sie allein. Das ist ihrer Tochter Marie (Annette Frier) ein Dorn im Auge, und so verkauft sie kurzerhand das Haus ihrer Mutter und holt sie zu sich nach Whitehorse, Yukon, wo sie mit ihrem Mann Joe (Paul Barrett) und ihren zwei Söhnen lebt. Oma soll anschließend in eine Seniorenresidenz umziehen. Eine schon lang geplante Familienreise nach Rom sagt Marie einfach ab. 

    Das lässt sich Oma nicht bieten und reist bei Nacht und Nebel auf eigene Faust nach Rom. Sie muss dort unbedingt zu einer Papstaudienz, um eine Jugendsünde zu beichten. In Rom lebt außerdem ihre Enkelin Martina (Miriam Stein), angeblich als Au-pair bei einer katholischen Familie. In Wirklichkeit lebt sie mit ihrem Freund, dem Rockmusiker Silvio (Raz Degan) zusammen und arbeitet als Tresenkraft in einer Bar. Nach dem ersten Schock akzeptiert Oma den Lebenswandel ihrer Enkelin. Außerdem muss sie endlich zum Papst. Leider schnappt sich der italienische Filou Lorenzo (Giancarlo Giannini) ihren Platz in der langen Schlange vor dem Papstbüro weg. Als sie diesen Mann bei der päpstlichen Generalaudienz wiedersieht, will sie sich mit Pfefferspray an ihm rächen. Unglücklicherweise trifft sie den Heiligen Vater und wird verhaftet. Die Nachricht “Oma peppers Pontifex” macht Furore sogar im weit entfernten Kanada und veranlasst die besorgte Marie, sofort nach Rom zu reisen. 

    Hier muss sie feststellen, dass alle außer Rand und Band sind: Tochter Martina bereitet sich mitnichten auf die Uni vor, und Oma bringt das Restaurant ihres italienischen Verehrers Lorenzo, der sie vor der Haft gerettet hat und mit dem sie inzwischen befreundet ist, mit Wiener Schnitzel und Kaiserschmarrn auf Vordermann. Ihre Kochkünste bringen sie sogar in den Vatikan, wo sie für den Papst und 100 Gäste diesen schmackhaften Eierkuchen zubereiten soll. Schließlich darf Oma den bayerischen Papst Benedikt (Thomas Kylau) wirklich und wahrhaftig treffen und sich von ihm die ersehnte Absolution erteilen lassen. Ja, auch die streng katholische Oma hat in ihrer Jugend gesündigt und war ihrem Alois nicht immer treu. Ein Schelm mag sich fragen, ob der Heilige Vater etwa der Vater von Marie ist. Aber diese freche Wendung war den Filmemachern dann doch zu gewagt und hätte ihnen wahrscheinlich auch noch Ärger mit dem Heiligen Stuhl eingebracht. 

    Das Porträt der drei Frauengenerationen ist durchaus gelungen. Die Enkelin erlebt ihre erste große Liebe inklusive Liebeskummer, die Mutter fühlt sich für die alte und junge Generation mit verantwortlich und die Oma hat alle Erfahrungen bereits hinter sich und kann ihr Leben ganz entspannt genießen. Mit ihrem italienischen Kavalier knattert sie auf der Vespa die Via Appia entlang in Richtung Monaco. Das ist natürlich 1000mal besser als in der Seniorenresidenz zu versauern. Wie bereits Et si on vivait tous ensemble und Best Exotic Marigold Hotel will dieser Film der älteren Generation Mut machen, den Tag zu nutzen. Wenn die Gesundheit mitmacht und man ein bisschen Geld zur Verfügung hat, sollte das auch kein Problem sein. Mit seiner gefällig dahinplätschernden Handlung, die viele anspricht und keinen verletzt, könnte Omamamia ohne Weiteres um 20.15 Uhr im Fernsehen laufen. Annehmbar.